Preisträger Autorenwettbewerb "zweitausendundneun"


Preisträger Autorenwettbewerb "zweitausendundneun"
Der Autor Hermann Staffler ist der Sieger des Autorenwettbewerbes, den die Südtiroler Theaterzeitung anlässlich des Gedenkjahres 2009 ausgeschrieben hat.

Hermann Staffler gewann den Wettbewerb mit dem Stück „Die Alpträumer“. Laut Jury ist das Stück eine kritische und kreative Auseinandersetzung mit nationalen und nationalistischen Formen der Selbstdarstellung, in der Witz und Ironie sowie Zitate aus poetischen Texten und aus Stammtischreden für eine temporeiche Szenenabfolge sorgen.

Die weiteren Preisträger sind:
2. Preis Peter Huber mit dem Stück „Hoffer“, 3. Preis Horst Saller mit dem Stück „Trudis und Rudis Wohlfühloase“ sowie ein Anerkennungspreis für Heinrich Schwazer für das Stück „Hofer“.

Die Jury setzte sich wie folgt zusammen:
Vorsitz: Dr. Hans Heiss, Brixen (Historiker)
Dr. Margit Oberhammer, Bozen (Journalistin und Redaktionsmitglied der Südtiroler Theaterzeitung)
Univ. Prof. Dr. Johann Holzner (Leiter des Brenner-Archivs in Innsbruck)
Dr. Paul Rösch (Publizist und Direktor des Südtiroler Landesmuseums für Tourismus in Meran)
Torsten Schilling, Deutschland (zurzeit als Dramaturg und Regisseur in Südtirol tätig)
(Vorjury: Christine Helfer, Dr. Inge Vieider und Dr. Elmar Außerer)

Am Wettbewerb hatten 35 Autorinnen und Autoren teilgenommen. Der erste Preis besteht aus einem Preisgeld von Euro 5.000.- und der Uraufführung des Stückes anlässlich des Gedenkjahres 2009.

Die Bekanntgabe der Gewinner sowie die Preisübergabe fand am 29. März 2008 im Rahmen der Generalversammlung des Südtiroler Theaterverbandes in Algund statt.

Die Sieger

Sieger

1. Preis der Stiftung Südtiroler Sparkasse € 5.000.-

Hermann Staffler mit dem Stück „Die Alpträumer“

Begründung der Jury
Das Stück knüpft an die Tradition des Hanswurstspiels und des Volksstücks an und spielt zugleich höchst artifiziell sowohl mit dieser Tradition wie auch mit den vertrauten Perspektiven auf die Geschichte Tirols von 1809 bis zur Gegenwart. Eine kritische und kreative Auseinandersetzung mit nationalen und nationalistischen Formen der Selbstdarstellung, in der Witz und Ironie sowie Zitate aus poetischen Texten und aus Stammtischreden für eine temporeiche Szenenabfolge sorgen, die alle zentralen Figuren immer wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Inhaltsangabe:
Travestie eines Mythos. Keine Personen treten auf sondern Allegorien – ein guter Teil ihrer Sprache ist Montage von Zitaten aus der doch etwas seltsamen Realität Tirols, vornehmlich Südtirols. Somit wird auch keine Geschichte erzählt, sondern „Geschichte“ selbst stellt sich dar.

Kurzbiographie zum Autor:
1955 in Meran geboren, aufgewachsen in Erlauf (NÖ), Melk, Innsbruck, Dornbirn, Studium der Theaterwissenschaften in Wien, lebt seit 1982 in Bologna.

Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften; Hörspiele und Features im ORF; Allerlei Stipendien. „Brabant zu Füßen“ aufgeführt von der freien Wiener Theatergruppe WUT

Hermann Staffler hat bereits im Jahr 2000 anlässlich des 50jährigen Bestehens des Südtiroler Theaterverbandes beim Autorenwettbewerb mit seinem Stück „Hallimasch“ teilgenommen und eine ehrende Erwähnung von der Jury erhalten.


2. Preis € 2.000.-

Peter Huber mit dem Stück „Hoffer“

Begründung der Jury
Ein Stück, das zwei tragische Heldengeschichten, die Geschichte Hofers und die Geschichte Hoffers, kunstvoll ineinander verschränkt und damit zwei Zeitebenen einander gegenüberstellt: das sog. Tiroler Heldenzeitalter und die Gegenwart. Eine düstere Szenenfolge einerseits, die Begriffe wie ‘Heldentum’ und ‘Männlichkeit’ scharf beleuchtet. Ein raffiniertes Spiel mit Perspektiven andrerseits, das zugleich als Parodie auf konventionelle Heldengedenkjahr-Inszenierungen wie etwa auch als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem historischen Wandel der Vater-Sohn-Thematik gesehen werden kann.

Inhaltsangabe:
Andreas Hoffer, Schriftsteller, bekommt seit einiger Zeit Drohbriefe. Auf einem dieser Briefe entziffert er den Abdruck einer Adresse. Es handelt sich um die Adresse eines Neonazis. Hoffer muss also annehmen, ins Visier einer Gruppe von Rechtsradikalen geraten zu sein. Anstatt zur Polizei zu gehen entschließt er sich jedoch, persönlich mit seinen Verfolgern Kontakt aufzunehmen. Der Gedanke dahinter: er will ihnen klar machen, wohin so ein Spiel, wenn es erst einmal zu Ende gespielt ist, führen kann. Als Beispiel nimmt er die Geschichte des tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer, dem er, wahrscheinlich durch die Ähnlichkeit der Namen, als Intellektueller längere Studien gewidmet hat. In filigraner Kleinstarbeit stellt Hoffer also Parallelen zwischen seinem eigenen und dem Leben Andreas Hofers her. Es entsteht ein audiovisuelles Testament, eine Geschichte auf zwei Ebenen, der es letztendlich gelingen sollte, diesen einen Beweis zu erbringen: Heldengeschichten folgen einer Eigendynamik; der Mensch kann sie nicht steuern.

Kurzbiographie zum Autor:
1963 in Meran geboren, wohnhaft in Lana.Verfasser verschiedener Theatertexte und Regiearbeiten für die Braunsbergbühne Lana, Bibliothek Lana, Ost West Club Meran, Dachttheater Algund, Carambolage Bozen u.a.


3. Preis € 1.000.-

Horst Saller mit dem Stück „Trudis und Rudis Wohlfühloase“

Begründung der Jury
Das Stück fasst das Heldentum, dessen Mythisierung und dessen Missbrauch in markante Dialoge und dramaturgisch straff gebaute Szenen. Es wirft ein grelles Licht auf die Spielregeln der Macht und auf die Irrwege des ideologischen Fanatismus.

Inhaltsangabe:
Trudi und Rudi, selbst Insassen dieses Heims, bieten mit ihrer „Wohlfühloase“ einen künstlich geschaffenen und vermeintlich schützenden Freiraum innerhalb dieser Struktur. Hier treffen sich die vier Personen, abgeschottet von der Außenwelt und ohne erkennbare Verbindung zu ihr. Doch auch das kleinste Refugium bietet noch Platz für Parallelwelten, in denen sie sich verlieren. Sie sind sich selbst Hoffnung und Grund zur Verzweiflung, höchste moralische Instanz, Richter und Henker, Liebende und Verschmähte, Helden und Versager, Täter und Opfer. Ihre heldischen Biographien mögen eingebildet sein, die Gewalt, die sie in sich tragen, ist real. Sie kämpfen mit ihren Identitäten und bleiben doch in ihnen gefangen.

Kurzbiographie zum Autor:
1963 in Bozen geboren, wohnhaft in Schlanders. Studium der Publizistik und Theaterwissenschaft in Wien, seit 12 Jahren Mittelschullehrer.

Anerkennungspreis € 500.-

Heinrich Schwazer mit dem Stück „Hofer“

Begründung der Jury:
Das Stück „Hofer“ setzt sich in einer erfrischenden Art und Weise mit dem Tiroler Freiheitskampf 1809/10 auf der Projektionsfläche der Gegenwart auseinander und provoziert eine Polarisierung hinsichtlich der Heldenmythen. Konsequent moderne Sprachbilder nutzend, besticht der Text vor allem durch seine Vielfalt an dramatischen Formen - die dennoch organisch zu einem Ganzen verschmelzen -, sowie durch den radikalen Zeit-Zoom durch 200 Jahre Geschichte. Ohne die historischen Figuren zu denunzieren, werden ihre Utopien, ihre Kraft im Kampf um Selbstbestimmung, ihre inneren Zweifel und Ängste sowie ihr Scheitern sichtbar gemacht und im Kontext heutiger Erfahrungen zu aktuellen Fragen aufgeworfen. Sowohl die dramatische Struktur, als auch die assoziativen Freiräume des Stück-Textes bieten ein reiches Angebot zur szenischen Umsetzung - für Theatermacher, die sich dem „Jetzt“ verpflichtet fühlen.

Inhaltsangabe:
Der Stoff ist Allgemeingut; er lässt sich voraussetzen. Das Jahr 1809, Andreas Hofer, der Kampf um Freiheit, Glauben und Identität. Heute bewegen uns, wenn auch anders gelagert wieder diese Geschichten. Der Verlust von Identität, Richtung, Werten in einer postideologischen Zeit. Gleichzeitig gibt es die Angst vor einem entfesselten Kapitalismus, der über Leichen geht, um sich Vorteile zu verschaffen. Das Stück „Hofer“ erzählt den Stoff in einer Zeitform, in der eins, jetzt und bald sich treffen. Der von Pathos triefenden, historischen wie gegenwärtigen Heldenverehrung wird Alltäglichkeit gegenübergestellt und dabei doch ernsthaft die Geschichte erzählt. Hofer wird zu einer Geschichte von nicht sehr starken Männern und ziemlich beeindruckenden Frauen. In einer Collage aus direkten Zitaten, gegenwärtigem Sprachgebrauch und Theater im Theater wird der die Südtiroler Geschichte prägende Mythos befragt.

Kurzbiographie zum Autor:
1959 in Mauls geboren, wohnhaft in Bozen. Studium der Germanistik und Philosophie in Wien. Chefredakteur der Neuen Südtiroler Tageszeitung.
Stücke: „Der Zingerle“ (2003 im Meraner Theater in der Altstadt), „Der Chauffeur“ (2007 im Meraner Theater in der Altstadt)

29. März 2008

(Autor: STV)